nonpop review: heat

hunter complex - heat frontWir befinden uns musikalisch in den 80er Jahren – wieder einmal möchte man fast schon in Endlosschleife sagen. Diesmal ist es das Projekt Hunter Complex des Niederländers Lars Meijer, das uns mit dem Zweitling Heat diese Ära wieder einmal näherbringt. Dabei erschließt sich aus dem technischen Ansatz des Projektes auch gleich schon der Sound. Lars Meijer hat nämlich fein säuberlich aufgeführt, mit welchen Geräten er gearbeitet hat, so dass man weiß und auch hört, dass nicht das analoge Zeitalter im Vordergrund steht, sondern dass man mit dem Gebrauch der ersten digitalen Synthesizer klangtechnisch in der Mitte bis zweiten Hälfte der 80er Jahre zu verorten ist. Allerdings kann man auch einen Yamaha DX 7 auf sehr unterschiedliche Weise einsetzen, so dass es der Erläuterung bedarf, dass man eher die hellen, weichen und fließenden Sounds der Epoche für sich wiederentdeckt und nicht z.B. die kantigen und drängenden Basssequenzen, die damit auch möglich sind, wie genügend EBM und Wave-Bands bewiesen haben.
Somit steht bei Heat ein schwebender, melodiöser und luftiger Pop-Sound ohne Kanten im Vordergrund, der mit zurückhaltenden Beats und einer weichen, etwas farblosen Stimme ausgestaltet ist. Giorgio Moroder und die frühen Simple Minds bringt man selbst als Vergleiche mit und liegt damit auch gar nicht mal so falsch, jedenfalls was die Idee vom Sound angeht. Es wird aber kein Bombast oder Pomp aufgefahren; so grenzt man den Sound durch minimale Drumstrukturen etwas ein und setzt auch nicht auf hymnenhaften Gesang. Ob man damit in einem klanglichen Fahrwasser unterwegs ist, das heute unbedingt noch jemand neu aufgelegt braucht, sei allerdings dahingestellt, zumal man den eingesetzten digitalen Synthesizern ihr Alter in diesem Fall tatsächlich weitestgehend negativ anhört. Problematischer ist allerdings, dass der zwingende Song, die gute melodische oder rhythmische Idee – schlicht der Anker des Albums – fehlt. Die Stücke gleiten vielmehr unbeschwert und unauffällig dahin. So fühlt man sich jedenfalls eher unangenehm an die Popper-Phase der 80er zurückerinnert – an fluffige Formel 1-Sampler und fiese Marken-Klamotten. Für jemanden, dessen Tasse Tee das nie war – schwierig.

Tony F.

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